biographie

 
   
 
 

Leonid-Torwald

Alwianowitsch

Mjutel

 
 

"Die Herstellung und Vernichtung der Vaterlandsverräter war so umfangreich, dass nicht alle sofort erschossen werden konnten und diese Aufgabe übergeben wurde an die Großen Bauten des Vaterlandes: vom arktischen Meer bis zur Karakum-Wüste, von Brest bis zu den Kurilen.

Es sollte gebaut werden – nicht durchdacht, planlos - aber auf Seinen Befehl!! Und es wurde gebaut: im Dauerfrostboden, bedeckt von gefrorener Erde und großen Wassern. So hatte Er befohlen! Verlegt Gleise, von Workuta nach Osten entlang der arktischen Küste.

Die Strecke wurde gebaut, es ging voran und hinten versank sie mitsamt den Gleisen. Aber es wurde gebaut, mehr als vier Jahre lang baute man auf Menschenknochen. … Niemand war für das Leben der Gefangenen verantwortlich. … Dieser perverse Sadismus nahm mittelalterliche Auswüchse an. Seine Wiege waren die Verhörstuben und Folterkammern."

L.-T. Mjutel: "Das Gedächtnis bewahrt jede Kleinigkeit…" Leningrad, 1988-1989, S. 148-150.

   
 

19.06.1911

In der Stadt Ostrow, Gebiet Pskow, geboren.

1914

Geburt des Bruders Boris.

1924

Umzug der Familie nach Leningrad. Die Mutter Erna arbeitet als Deutschlehrerin.

1934

Freistellung vom Wehrdienst aus gesundheitlichen Gründen. Als Mechaniker im Werk „Avantgarde“ tätig.

11.12.1937

Verhaftung des Vaters Alwian Mjutel. Sein Schicksal wird nie aufgeklärt.

10.03.1938

Erna und ihre beiden Söhne werden der gemeinsamen Wohnung und des gemeinsamen Einkommens mit einem Volksfeind [dem Vater] beschuldigt. Innerhalb einer Dreitagesfrist werden die drei aus Leningrad und Umgebung verbannt.

17.03.1938

Werden der Zuständigkeit des regionalen NKWD in Saratow unterstellt.
Erste Schwierigkeiten bei der Suche nach einer neuen Arbeit.

10.09.1938

Verhaftung der Brüder Leonid und Boris in Saratow.

11.02.1939

In der Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Saratow bestreiten die Brüder Mjutel alle von ihnen unterschriebenen Geständnisse und verweisen auf die unerlaubten Methoden, die bei den Verhören angewandt wurden. Daraufhin wird der 8. Anklagepunkt (Terror gegen Parteimitglieder aus Rache für die Verhaftung des Vaters) fallengelassen.

01.09.1939

Verurteilung durch einen Sonderausschuss beim NKWD nach dem so genannten Buchstabenparagraphen ASA (Antisowjetische Agitation) zu fünf Jahren Lagerhaft.
Der Bruder Boris verbüßt die Haft im Lager Ust-Wym-ITL. Dort wird er nochmals wegen eines Verstoßes gegen die Lagerordnung verurteilt und kommt ins Norilsker ITL.
Leonid-Torwald liegt während der Urteilsverkündung auf der Krankenstation des Gefängnisses.

15.10.1939 – 28.12.1939

Auf Etappe über Balaschowo, Moskau, Kirow (heute Wjatka), Kotlas, Omsk in das Lagergebiet Krasnojarsk. Arbeitet im Holzeinschlag.

Juni 1940 – August 1946

Einsatz beim Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Uchta und Koschwa. Die Strecke führt durch Sümpfe - die verlegten Gleise versinken vor den Augen der Arbeiter.
Statt der ursprünglichen fünf Jahre, bleibt Leonid-Torwald insgesamt acht Jahre im Lager. Zunächst wird er wegen des Krieges nicht entlassen, später wird er „bis auf weiteres“ in der Lagerzone einbehalten.
Wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen ist die Todesrate sehr hoch. Gab es 1940 noch 13 Bauabteilungen mit 300.000 Arbeitern, so blieben bis 1946 nur noch eine Abteilung und 5.500 Arbeiter übrig.

10.08.1946

Entlassung aus dem Lager.

1946 – 1956

„Ewige Verbannung“: kein Recht auf Wohnsitz im europäischen Teil der UdSSR, in Städten, an Eisenbahnknotenpunkten, in Bezirkszentren usw.
Wohnsitz in Assino, Gebiet Tomsk. Er und seine Frau Edith Emilia müssen sich zweimal monatlich in der Kommandantur melden.
Ab 1955 wird die Wohnsitzbeschränkung schrittweise aufgehoben.

14.04.1956

Rückkehr mit der Ehefrau nach Leningrad. Als Ingenieur in einem Betrieb für Werkzeugmaschinen tätig. Seine Frau Edith Emilia ist Deutschlehrerin.

Ab 1987

Erkrankt schwer an den Spätfolgen der Lagerverletzungen und ist bis an sein Lebensende ans Bett gefesselt.

16.06.1991

Stirbt in Leningrad.

Lagerhaft in

KRASNOJARSKER ITL, NORILSKER ITL, UST-WYM-ITL, UCHTA-ISCHMA-ITL

     
 

Fotos, Illustrationen und Dokumente

Mjutel, L.-T. A.Mjutel, L.-T. A.: Memoiren   

Mjutel, L.-T. A.

Mjutel, L.-T. A.: Memoiren